Richard (Müller) Nickel war NSDAP-Mitglied, Kameramann und Besitzer des Kinos "Noris-Theater" in Nürnberg. 1941/42 filmte er in Nürnberg und Würzburg, im Auftrag der Gestapo Würzburg, die Deportationen der Juden aus dieser Region, unter dem antisemitischen Titel: "Auszug der Kinder Israels aus Franken". Einem Schriftverkehr zwischen Nickel und Ernst Gramowski (Leiter der Gestapo Würzburg) zufolge, hat sich die Führungsriege der Gestapo, auf Einladung Nickels, die Dokumentation angeschaut. Heute gilt der Film als verschollen. Fotos, die parallel zu Nickels Aufnahmen in Nürnbergs Sammelstelle "Langwasser" aufgenommen wurden, wahrscheinlich von Nickels Sohn, befinden sich bis heute in Privatbesitz. Auf einigen Fotos von der dritten Deportation aus Würzburg, die am 25. April 1942 von der Gestapo aufgenommen wurden, sind ein Kamerastativ und sehr wahrscheinlich Nickel selbst zu sehen.

Nickel war den NS-Behörden nicht unbekannt. Schon im September 1923 hatte er den "Deutschen Tag" filmisch dokumentiert, eine nationalkonservative und paramilitärische Parade, die in Nürnberg unter der Schirmherrschaft von Adolf Hitler stattfand. Nickel war auch Kameramann bei Leni Riefenstahls Propagandaproduktion über das Reichsparteitagsgelände, "Triumph des Willens", und er hatte am 10. August 1938 den Abriss von Nürnbergs Hauptsynagoge am Hans-Sachs-Platz gefilmt.

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