Otto Bovensiepen [* 8 Juli 1905 in Duisburg, Nordrhein-Westfalen – † 18 Februar 1979 in Zusmarshausen, Bayern] war SS-Standartenführer und Oberst der Polizei und leitete Staatspolizeistellen in mehreren deutschen Städten, darunter Berlin vom 18 März 1941 bis zum 2 November 1942.
Bovensiepen trat kurz nach seiner Reifeprüfung im Jahr 1925 in die NSDAP ein und begann in Bonn mit dem Studium der Rechtswissenschaften. Im Juli 1933 legte er die zweite juristische Staatsprüfung ab und begann im Politischen Dezernat beim Regierungspräsidenten in Düsseldorf zu arbeiten. Im Juni 1934 wurde er zum Leiter der Staatspolizeistelle Magdeburg befördert. In kurzen Abständen leitete er für einige Monate im Jahr 1935 die Leitstelle in Dortmund und arbeitete in Bielefeld, Köslin und Halle, wo er von 1937 bis 1941 eingesetzt war. Seit 1936 war er Mitglied der SS.
In Berlin war er gegenüber dem RSHA (Reichssicherheitshauptamt) für den störungsfreien Ablauf der Deportationen verantwortlich, da das RSHA diese Aufgabe den lokalen Staatspolizeistellen übertragen hatte. Er führte die Dienstaufsicht, bestimmte Beamte für die jeweiligen Aufgaben, gab die Erlässe des RSHA weiter, überwachte den Ablauf der Deportationen und hielt Dienstbesprechungen ab und korrespondierte im Rahmen des Deportationsprozesses mit beteiligten Behörden.
Nachdem eine Unterschlagungsaffäre in der Polizeileitstelle öffentlich wurde, suspendierte ihn Ernst Kaltenbrunner, der Leiter des RSHA am 2. November 1942 von seiner Position und er wurde bis Ende März 1943 beurlaubt. Seine Karriere wurde durch diesen Vorfall nicht beeinflusst, am 1. April wurde er zum Oberregierungsrat ernannt und erhielt die Stelle des Inspekteurs der Sicherheitspolizei und des Sicherheitsdienstes in Kassel, wo er bis 1. Januar 1944 blieb. Von Kassel wurde er nach Dänemark versetzt, wo er, mittlerweile SS-Standartenführer und Oberst der Polizei den Rang eines Befehlshabers der Sicherheitspolizei und des Sicherheitsdienstes innehatte. Dort blieb er bis zum Ende des Krieges.
1945 wurde er verhaftet und im September 1948 von Kopenhagener Gericht zum Tode verurteilt. 1950 wurde die Strafe in lebenslange Haft umgewandelt. Nichtsdestrotrotz wurde er drei Jahre später freigelassen und aus Dänemark ausgewiesen. Er kehrte nach Deutschland zurück und wurde von einer Versicherungsanstalt angestellt. 1963 begann die Staatsanwaltschaft Berlin seine Rolle in den Deportation von 50.000 Berliner Juden „in den Osten“ zu untersuchen. Der Prozess begann 1969, aber nachdem Bovensiepen einen Herzanfall erlitt, wurde er verhandlungsunfähig erklärt und der Prozess 1971 eingestellt.

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